AZ, 19.05.2017

Ausstellung zum 150. Geburtstag der Binger Freimaurer

 
 
 
 

Von Christine TschernerBINGEN – Zwölf großformatige Tafeln geben Einblick: Im Foyer des Heilig-Geist-Hospitals informieren die Binger Freimaurer über Meister und Mythos, Symbole und Säulen des Logenlebens. Hintergrund ist der 300. Geburtstag der Freimaurerei in Deutschland. An diesem Wochenende feiert die Binger Loge ebenfalls runden Geburtstag. Mit seiner 150-jährigen Tradition gehört der Bund zu den ältesten Vereinen der Stadt. Aber auch zu den eher öffentlichkeitsscheuen.

Stundenglas und Hammer des Meisters vom Stuhl

 

Stundenglas und Hammer des Meisters vom Stuhl, Orden, Bijoux und Spezial-Trinkgläser mit Zirkelgravur – die Binger Freimaurer öffnen einen Spaltbreit die Tür zu ihren Riten. Die Schau greift die Geschichte der Freimaurerei mit Exponaten und Informationen auf. Kritisches Hinterfragen erwünscht.

Neugierige finden unter „Symbole und Enthüllung“ das Reißbrett als höchsten der drei Meistergrade. Das rechtwinklige Dreieck steht für Harmonie. Kanonen sind Trinkgläser für die festliche Arbeit. Die Infotafeln beschreiben die Gliederung in Großlogen und welchen Prinzipien solch ein Bruderbund folgt. Regeln zum Umgangsstil und zu Verhaltensweisen untereinander schaffen die Basis der Begegnung über soziale, politische oder weltanschauliche Grenzen hinweg. Das klingt erstaunlich modern.

„Vorurteilsfreies Kennenlernen“, wünscht die kaufmännische Leiterin des Krankenhauses, Lisa Martin, in ihrer Eröffnungsrede. Die Tradition der Baumeister greift Frédéric Simon auf. Der amtierende Meister vom Stuhl freut sich über die Chance im Hospital, „Brücken der Begegnung“ zu bauen. Schließlich ist das viel besuchte Foyer mitten in der Stadt der Gegenentwurf zum abgeschiedenen Logenhaus an der Martinstraße. Alte Fotos vermitteln in der Vitrine eine Idee vom Treffpunkt der Männer vor den Zerstörungen durch Kriegsbomben. „Zum Tempel der Freundschaft im Orient Bingen“ heißt der Verein seit Gründertagen.

Zahlreiche Stadträte und führende Wirtschaftslenker der Stadt waren Freimaurer, das Logenhaus ihr Ort für kritische Selbstaufklärung.

Uralte Wertepositionen wie Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit wirken nicht staubig. Im Gegenteil. „Aber warum man spannende Themen nicht offen in der Straußwirtschaft diskutieren kann, da verstehe ich die Geheimnistuerei nicht“, sagt ein Zufallsgast. „Ich kenne Freimaurer-Symbole nur aus Detektiv-Krimis“, kommentiert eine Patientin. „In Bingen gibt’s so einen Club?“ Das sei für sie neu.

30 Männer gehören dem Tempel der Freundschaft an

Knapp 30 Männer gehören derzeit dem Tempel der Freundschaft an. Menschen und Argumente kennenlernen, die im „echten“ Leben nicht zusammenkommen, das ist Kern der Idee. Das Freimaurer-Museum in Bayreuth steuerte den Großteil der Ausstellungstafeln bei. Viel lieber als mit ihren alten Traditionen treten die Binger Brüder durch Musikförderung in die Öffentlichkeit. Die Loge sponsert verlässlich seit vielen Jahren Musikschülern die Ausbildung. Zum feierlichen Jubiläum im Kongresszentrum am Samstag nimmt Musik darum breiten Raum ein.

Brüder aus dem gesamten Bundesgebiet werden erwartet. Sektempfang, Festarbeit, Damenprogramm und Weiße Tafel sind Bestandteil des Jubiläums.

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